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„It’s All True“

„It’s All True“

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Der neue Roman von Carmen Stephan erscheint im Sommer 2017 im S.Fischer Verlag:

Brasilien, Nordosten, 1941. Vier Männer wollen nicht länger hinnehmen, was falsch ist. Sie sind Fischer und machen sich mit einem Floß auf den Weg zum Präsidenten. Zweitausend Kilometer über das Meer. Barfuß. Ohne Karte, ohne Kompass. Die Sterne führen sie. Sie fahren für das Einfachste, das uns alle verbindet: das Recht, am Leben zu sein. Nach zwei Monaten erreichen sie Rio de Janeiro und sind Helden. Der Hollywood-Regisseur Orson Welles, dessen Film ›Citizen Kane‹ gerade in den Kinos lief, will ihre kühne Odyssee verfilmen – doch bei den Dreharbeiten fällt einer der Fischer von Bord und verschwindet im Meer.

»Carmen Stephan gelingt es, diese wahre Begebenheit […] einfühlsam und packend zugleich zu erzählen (…) Eine mitreißende literarische Spekulation – und fein gearbeitete faction.«
Knut Cordsen, Bayerischer Rundfunk, 26.07.2017

»Sehr eindrucksvoll.«
Manuela Reichart, Deutschlandfunk Kultur, 01.08.2017


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Zwischen Kashmir und Karwendel

Zwischen Kashmir und Karwendel

BOFF_PR_OUT OF MIND_02_kleinEtwas Eigenes wollten wir machen – entstanden ist das B/O/F/F, das Bayerische Outdoor Film Festival. Macht auch nichts, dass sich die Betonung aufs Bayerische und der folgende Anglizismus im Wege stehen, schließlich wollen wir bayerisch und weltoffen zugleich sein. Unser Festival feiert am 21. März Premiere und zeigt in Kinos in Nürnberg, Regensburg, München, Kempten, Weilheim, Bad Tölz, Hausham und Bad Endorf Abenteuerfilme, die auf ihre Weise mit Bayern zu tun haben: Entweder sind die Protagonisten aus dem Freistaat und/oder die Filmemacher und/oder der Streifen wurde in den Bayerischen Alpen gedreht. Das B/O/F/F steht für eine Atmosphäre, die die Freude an der Heimat mit der Lust auf die Fremde verbindet – zu einer Mischung, aus der neue Abenteuer und Projekte wachsen können.

 


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Cover-Versionen

Cover-Versionen

Die Zeit, 12. Januar 2017:

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Süddeutsche Zeitung Magazin, 16. Dezember 2016:

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Kopf hoch, liebe „Zeit“! Euch fällt auch mal wieder was ein.


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Neues Magazin online

Neues Magazin online

Neues Onlinemagazin Saluti dalla Puglia

Der Süden Italiens ist reich an Sonne, Fisch und Oliven, aber arm an Perspektiven: Zwischen Mafia, Kirche und Patriarchat bleibt für Neues kein Platz. Dachten wir. Dann sind wir nach Apulien gefahren. Im neuen Onlinemagazin „Saluti dalla Puglia“ der Reportageschule wird so manches unserer Klischees neu beleuchtet.

Am Anfang waren die Klischees. Denn viel wussten wir nicht von Apulien, als die Entscheidung fiel, dass der 11. Jahrgang der Zeitenspiegel-Reportageschule für sein Auslandsprojekt dorthin fahren würde. Mit dabei: die Beschreiber Dominik Baur (Projektleitung), Philipp Maußhardt (Schulleitung) und Erdmann Wingert (Dozent). Vor allem war da ein Bild der Trostlosigkeit in unseren Köpfen. Die Vorstellung von einem Land ohne Perspektiven, ohne Zukunft, ohne Jugend. Wer was kann, wer es zu was bringen will, der geht weg von hier. Ins Ausland. Oder zumindest in den Norden.

Und natürlich ist da auch etwas dran: 39,2 Prozent beträgt die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen in Italien. In Europa ist sie nur noch in Griechenland und Spanien höher. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie bei 7,2 Prozent. Innerhalb Italiens ist sie im Süden am höchsten, in Apulien ist rund die Hälfte der jungen Menschen ohne Job.

Aber das Schöne an Klischees ist ja: Ihnen wohnt besonders viel Potenzial für Überraschungen inne. Und in der Tat: Die elf jungen Journalisten der Zeitenspiegel-Reportagesschule begegneten während ihrer zehntägigen Apulienreise einigem, was so gar nicht in das Bild eines Landstriches passen wollte, der sich angeblich schon selbst aufgegeben hatte: Einer blühende Filmindustrie zum Beispiel. Oder einem Architekten, der im Norden bereits Karriere gemacht hatte und doch zurück in die Heimat kam, um hier etwas zu bewegen. Einem Sternekoch, der seine Gäste mitten im Industriegebiet der Küstenstadt Monopoli empfängt. Menschen, die einen leisen, aber vielversprechenden Kampf gegen die Mafia führen. Und Fischern, die der Krise trotzen, indem sie ihre Ware über Whatsapp direkt an den Endkunden verkaufen.

In Teams waren die Reporter im Mai losgezogen, haben recherchiert, gefilmt und ihre Geschichten schließlich in fünf großen multimedialen Reportagen verarbeitet. In der Videorubrik „Mitbringsel“ stellen sie uns darüber hinaus die eine oder andere apulische Spezialität vor: Tomaten, die sich Frank Sinatra sogar nach New York liefern ließ; Rundhäuser aus Stein, die sogenannten Trulli, die es nur hier gibt; oder einen Ohrwurm, der abheben lässt.

„Saluti dalla Puglia“ („Grüße aus Apulien“) heißt die virtuelle Ansichtskarte, die die Schüler aus Apulien geschickt haben. Das Magazin lädt Sie ein zum Lesen, zum Schmökern und zum Staunen.


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Originell, weltoffen und humorvoll

Originell, weltoffen und humorvoll

Der Autor und Publizist Thomas Grasberger erhält den Ernst-Hoferichter-Preis 2017.

Der mit 5000 Euro dotierte Preis zeichnet seit 1975 jährlich freischaffende Münchner Künstlerinnen und Künstler aus dem Bereich Literatur und Kabarett aus, die – wie Ernst Hoferichter – Originalität mit Weltoffenheit und Humor verbinden. Der Preis wurde von Franzi Hoferichter, der Witwe des Münchner Schriftstellers, gestiftet. Über die Vergabe entscheidet der Stiftungsbeirat der Ernst-Hoferichter-Stiftung, der auch als Jury fungiert.

Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:

Er erkundet München und die Seele seiner (Ur-)Einwohner und gibt uns auf 200 Seiten eine allumfassende „Gebrauchsanweisung für München“ an die Hand. Er berichtet über Eisenbahn-Reisen in England, protestantisches Leben in Rom und böhmische Bäder und paddelt im Kajak durch Deutschlands „Amazonas“, 950 km Wasserwege im brandenburgischen Spreewald. Er schreibt über Gabriele d’Annunzio und Ludwig Thoma, 1860 München und den FC Bayern, Rosa Luxemburg und Mao Zedong, Hopfen und Malz; er reist durch Tschechien, Italien, England, Polen, die Ukraine. Und immer wieder durch Bayern, durch die bayerische Geschichte und vor allem die bayerische Mentalität. Er analysiert und illustriert den „Grant“, den „Blues des Südens“, dieses so tiefsitzende und komplexe Lebensgefühl, und führt die Leser ein in eine Philosophie der „Grantologie“. In dem Buch „Stenz. Die Lust des Südens“ geht er der Frage nach, ob der Bavarian Lover anders liebt, und unternimmt eine informative und amüsante Lustreise durch Schwabinger Szenelokale, die Schlafkammern von Bauernmägden und die Zellen bairischer Klöster. In „Flins. Das Geld des Südens“ schließlich spürt er quer durch die Zeiten und sozialen Schichten dem „Homo oeconomicus bavaricus“ nach.

In Altötting ist Thomas Grasberger geboren, hat dort seine Kindheit verbracht (und glaubt dennoch – wie wir hören – an das Gute im Menschen), das Gymnasium absolviert und währenddessen erste berufliche Erfahrungen bei der Müllabfuhr und auf Baustellen gesammelt. In München hat er studiert, Politikwissenschaft, Philosophie und Geschichte, hat die Deutsche Journalistenschule besucht und anschließend als Redakteur oder freier Journalist bei verschiedenen Zeitungen gearbeitet (Abendzeitung, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Focus). Seit dem Jahr 2000 schreibt er vor allem für den Bayerischen Rundfunk: Features, Reportagen, Reiseberichte, literarische Porträts und Kalenderblätter.

Thomas Grasberger ist ein vielseitiger Autor und Journalist, mit weitem Horizont und eigenwilligem Zugriff auf seine Sujets, witzig und humorvoll, gründlich und hintergründig. Drei Kriterien muss ein Ernst-Hoferichter-Preisträger erfüllen: Originalität, Weltoffenheit und Humor. Thomas Grasberger, befindet der Stiftungsbeirat, besteht die Prüfung in jeder Hinsicht bravourös.

Die Verleihung durch Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers findet am Donnerstag, 19. Januar 2017, im Rahmen einer geschlossenen Festveranstaltung im Literaturhaus statt.

Unter den fast 100 Künstlerinnen und Künstlern, die bisher mit dem Ernst-Hoferichter-Preis ausgezeichnet wurden, sind Herbert Achternbusch, Ernst Augustin, Doris Dörrie, Axel Hacke, Jörg Hube, Bruno Jonas, Luise Kinseher, Jörg Maurer, Erwin Pelzig, Maria Peschek, Gerhard Polt, Herbert Riehl-Heyse, Tilman Spengler, Keto von Waberer, Marcus H. Rosenmüller, Christoph Süß und zuletzt Ali Mitgutsch.

Dem Stiftungsbeirat gehören der Kulturreferent der Landeshauptstadt München, Dr. Hans-Georg Küppers (Vorsitz), der Leiter der Münchner Stadtbibliothek, Dr. Arne Ackermann, sowie Wolfgang Görl, Dr. Brigitta Rambeck, Michael Skasa und Christian Ude an.

Informationen auch unter www.muenchen.de/kulturfoerderung unter „Preise“ sowie unter www.muenchen.de/literatur.

 


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Selbstauskünfte

Selbstauskünfte

Es ist ja gar nicht so einfach, ein Interview zu geben. Das merkt man als Autor allerdings erst dann, wenn man selbst einmal der Befragte ist. Zum Glück gibt es so gute und kluge Moderatorinnen wie Delia Reich, die mich gekonnt durch ihren Fragenkatalog führte. Hier geht es zu unserem Gespräch.


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Free Journalists‘ World

Free Journalists‘ World

Es begann mit einer Geschichte auf Beschreiber: Burda setzt ein Team von Freien vor die Tür, um einer Agentur die Zeitschrift „Freemens World“ redaktionell zu überlassen. Mit Themen, die größtenteils noch dem Hirnschmalz der alten Mannschaft entstammen, schmückt sich jetzt die PR-Agentur Ringdrei und macht ansonsten alles billiger und williger. Bunter und schöner sowieso. Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ las davon hier auf Beschreiber und sendete am 27. April 2016 einen viel diskutierten Bericht darüber. Viele Mediendienste griffen den Fall auf, wir hiermit auch nochmals.

Zum „Zapp“-Beitrag


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Hüttengaudi, im Ernst

Hüttengaudi, im Ernst

csm_produkt-12582_f10a37c32dEigentlich bin ich kein großer Freund von Hütten. Zu voll, zu eng, zu stickig. Lieber übernachte ich am Fuß eines Berges. Im Campingbus am Parkplatz. Oder im Biwak unter freiem Himmel. Dennoch habe ich dieses Buch gerne gemacht – weil Bernd Ritschel (Foto), meine Co-Autorin Sandra Freudenberg und ich die Menschen in den Fokus rückten. Die sich um den Erhalt der Hütten im Hochgebirge, um die Versorgung der Besucher, um Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft bemühen, und das mit großer Leidenschaft. Dieser Blick hinter die Kulissen hat mir wieder einmal gezeigt: Es geht auch in den Bergen immer um die Menschen. Ohne sie, ohne ihr Herz und ihre Seele, wäre jede Hütte austauschbar.


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Kinderbuch, eigentlich

Kinderbuch, eigentlich

Da konzipiert und recherchiert man, sammelt Fakten, führt Interviews, zieht Experten zu Rate, schreibt und verwirft, schreibt noch mal und noch mal, bis in Zusammenarbeit mit einer motivierten und motivierenden Lektorin und einem phantasievollen Illustrator ein wunderschönes Kinderbuch über „Gesteine und Minerale“ entstanden ist – und was macht der Zielgruppenvertreter zuhause? Er liest lieber „Bravo Sport“.

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Liebe macht blöd!

Liebe macht blöd!

Erst brauchte ich das Geld. Dann wurde es Liebe. Ich alter Sack hatte mich verknallt. Wurde blind, blöd und käuflich. Was man Liebe eben so nachsagt. Ein kleiner, nützlicher Idiot. Fühlte mich wie eine Schreibnutte, der kaum was gegen den Strich ging. Weil da dieser Spaß war. Zwei Jahre lang. Pünktlich, bezahlt. Kaffee, umsonst. Reisen, weltweit. Durfte Überschriften machen, die gegen die Menschenrechte verstießen. Flick dich. Haken und Dösen. Am Arsch der Welt. Bürosessel, verstellbar. Trinkwasser aus dem Kran. Zwei hübsche Bildschirme. Okay, man muss nicht gleich Apple mit Dirnen vergleichen. Es gibt schlimmere Schicksale.

Dafür gab es mich gar nicht. Bei „Freemens World“, dem Abenteuermagazin. Weil ich nur frei war, wie ein paar wunderbar freie Kollegen auch. Nur frei heißt bei Burda: Kein Schild an der Tür, keine Visitenkarte. Keine Macht. Kein Vertrag. Nur Pflichten. Am besten Klappe halten, Wegkloppen von Seiten. Den Tagessatz wert sein. Man kennt das ja. Auf Mails antworten, die dich ständig als extern bezeichnen.Also, ich war dort ein Nichts. Ein unsozialversicherter Schreiberling. Netterweise wurde im Winter die Heizung aufgedreht. Bei Bauer sollen schon Freie erfroren sein.

Aber ich hatte mich verrechnet. Aus dem Job wurde Liebe. Aus dem Tagelohn Leidenschaft. Es passierte, einfach so. Nach dreißig Jahren. Seitdem ich versuche, Buchstaben in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Wurde blöd, schön blöd. Weil es sich lohnte für dieses Magazin schön blöd zu sein. Für diese Idee, diese Freude, diese Begeisterung am Gestalten. Burda merkte das gleich. Burda ist ja nicht blöd. Man hielt uns an der langen Leine. Zog nur, wenn wir völlig über die Stränge schlugen. Wir lebten das Blatt, wir atmeten es. Verziehen ihm alles. Streichelten unser Baby. Jede Zeile, jedes Bild, jeder Titel waren wir. Texte, Themen, Termine. Edelfedern anspitzen. Das Heft stemmen, mit einem Kreativdirektor. Nett, klug, kompetent. Er war sehr kreativ, trotz Festanstellung.

Wir gewöhnten uns aneinander. Die Kopfgeburt lernte laufen. Der Laden brummte. Es gab eine Hefterweiterung, wegen der Anzeigen. Als uns die Liebe schon schwach machte. Und wir dicke Karren durchs Gelände fahren ließen. Landrover sind wirklich tolle Autos. Wieso haben wir das nicht sofort gemerkt? Hefterweiterung! Das ist bei Burda etwa so selten wie TV-Spielfilm ohne Programmhinweis. Man war kurzfristig stolz auf uns. Hörten wir, auf dem Flur.

Doch sie trauten uns nicht. Zu keiner Zeit. An keinem Tag. Sind ja nur Freie. Guckten abends heimlich in die Kasse, ob was fehlte. Die Büros lagen im Hafen. Nicht schlecht. Dicke Schiffe, gute Sicht. Viel besser als beim „Spiegel“. Die Welt fuhr vorbei. Doch dieser Kerl neben uns hatte ein viel schöneres Büro. Hatte sogar einen tollen Titel. Irgendwas mit Development, unkündbar, glaube ich. Konnte diesen Blick, den ich nicht kann. Guckte unentbehrlich, redete werblich weise. Nicht verliebt, niemals. Schlauer Typ, hat Burda verstanden. Als Reporter eher übersichtlich. Für ihn war schon die Besteigung der Zugspitze ein Abenteuer.

Ich kriegte auch einen Titel. Ich hieß Autor (fr.), wie frei. Frei ist kurz und doch zu lang für ein Impressum. Klang eher wie ein verklemmter Furz. Zerquetscht von den Verlagssoldaten, bei denen oft bloß heiße Luft rauskommt. Im Krieg sind das die, die sich hinter der Front gern mal Eier schaukeln. Glaube ich. Etwas neidisch war ich schon. Außerdem sah der Developer viel besser aus als ich. Wähle einen Beruf, den du liebst, sagte Konfuzius, der alte Klugscheißer, und du brauchst nie mehr zu arbeiten. Komisch. War er nicht auch Freiberufler?

Manchmal kamen Leute zu uns rein. Sie wussten alles besser. Weil es ihr Job ist, alles besser zu wissen. Andere für sich arbeiten zu lassen. Geschäftsführer, Chefredakteure, Anzeigentypen. Wir mussten dann raus. Kaffee trinken, Bier saufen, Hauptsache weg mit den Freien. Stören nur. Dann standen sie breitbeinig vor unseren Geschichten an der Wand. Wortheldisch. Wichtig. Taten so als gäbe es uns gar nicht. Schütteten ihre bunte Soße über die Seiten aus. Bis sie vor Einfalt klebten und rochen vor Arroganz. Einer fragte: Wer fährt denn schon nach Chile? Teneriffa ist doch viel näher. Angeblich hat er bis heute nichts gelesen von uns. Mag lieber Bilder, heißt es im Haus.

Später durften wir wieder an die Arbeit. Weiter machen. Ihren merkwürdigen Befehlen folgen. Dachten sie. Aber von wegen! Waren nicht nur frei. Auch frech. Verliebte Freie, die sich eine Meinung erlauben. Keine gute Mischung für die Karriere. Wischten jedes Mal übers Heft, wenn sie weg waren. Über unser Baby. Über den ätzenden Sud ihrer Ideen. Bis der Zucker verschwand, den sie Anzeigenkunden in den Hintern blasen wollten. Schreckten nicht mal vor Reklame für Männerbinden zurück. So macht Einschiffen wieder Spaß. Wasser lassen in der Wildnis. Inkontinenz? Geht doch alle an, sagten sie. Stimmt, sagten wir. Nicht laut, aber traurig. Konnte nicht gut gehen. Ging auch nicht gut.

Sie trieben uns die Begeisterung aus, schauten den Freien auf die Finger. Die Liebe zerbrach. Herzblut sickerte unter der Bürotür hindurch. Wir sprachen von Leidenschaft. Sie sprachen von Break even point. Auflage? Keine Antwort. Ein paar Mal im Jahr stolzierte ein Berater rein. Glotzend, still, er schwieg abgehoben.Wir waren nur Luft für ihn. Schritt langsam die Wand ab. Er wirkte wie ein General, kurz vor dem Schießbefehl. Kein Blick für uns Frontschweine. So grinst Macht. Murmelte was von Nutzwert, Nutzwert. Was sie bei Burda seit Jahrzehnten murmeln. Verschwand, stumm, kein Dank. Kritiken verfasste er schriftlich. Wir sahen nie ein Wort davon.

Bald schlenderte so ein Typ übern Gang. Lange Haare, Jeans, weiße Turnschuhe, Jacket. Irgendwie austauschbar. Keine Spur von Liebe, ich sah es sofort. Einer, der per SMS Schluss macht. Wenn Erfolg laufen könnte, müsste er genau so aussehen. Lässig, charmant, sicher so ein Ich-mach-dir-alles-besser-zu-einem-besonders-guten-Preis-Journalist. Auch ein Freier, hieß es, mit Agentur. So macht man das, glaube ich. Schlauschwätzend, weltmännisch. Furchtlos. Nur keine Gefühle zulassen. Muss ja nicht weh tun. Muss nur Menschen finden, die dich bezahlen. Eines Tages möchte ich auch mal so sein wie er.

Dann ging alles sehr schnell. Die Leute haben schön gewartet, bis wir mit dem letzten Heft fertig waren. Wie gesagt. Sind ja nicht blöd, bei Burda. Wir schrieben noch 54 Themen auf, die bis ins Jahr 2027 reichen werden. Blinder kann Liebe nicht machen. Hastiger Eifer, sowieso. An einem Freitag mussten wir unsere Schreibtische räumen. Mister Langhaar hatte gut verhandelt. Schneller, billiger, williger? So einer kann das eben.

Die Leute legten ihm unser Baby frisch gewickelt vor die Tür. Es schrie nicht. Aber es roch ganz stark nach unserem Gehirnschmalz. Ich vermisse es sehr.


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