Die ganze Wahrheit über Stuttgart 21

Stuttgart, im Juli 2010: Über zwanzigtausend Menschen ziehen bei tropischen 42 Grad durch die Straßen des Zentrums. Mit Händen und Füßen, Trillerpfeifen, Luftballons und hochgereckten Fäusten wehren sie sich gegen das Groß- oder vielmehr Mega-Projekt „Stuttgart 21“, den Umbau ihres Hauptbahnhofs. Weltweit gerät das biedere Stuttgartin die Schlagzeilen, Assoziationen an den Pariser Mai oder die Leipziger Montagsdemonstrationen werden wach, die Wut wächst und der Konflikt eskaliert weiter. Erst greift der Staat mit Gewalt und Baggern ein, dann soll eine Schlichtung retten, was zu retten ist. Doch auch der Spruch Heiner Geißlers kann den erbitterten Streit nicht beenden.

Das am 10. Feburar erscheinende Buch „Die ganze Wahrheit über Stuttgart 21“ erklärt, warum es im Ländle wirklich brodelt: S21 steht nicht mehr für einen Bahnhofsumbau, sondern für eine endlos aufgestaute Wut, die ein Ventil gefunden hat. Das Buch ist eine Spurensuche – jenseits von investierten Millionen, Zeitersparnis und geologischer wie städtebaulicher Fachsimpelei – und erzählt eine Geschichte über das Schienennetz der schwäbischen Seele, über Glanz und Elend des Pietismus, die Unschuld der Romantik und so manches Opfer auf dem Schotter. Mit Hölderlin und Hesse, Schiller und Georg Elser, Häuslebauern und Rasenpflegern, Eisenbahnern und Erfindern, RAF-Aktivisten und Amokläufern stellt er die Archetypen der schwäbischen Volksseele vor. Seine scharfsichtigen Betrachtungen fügen sich zu einem schillernden Kaleidoskop der schwäbischen Befindlichkeiten,vor deren Hintergrund der Kampf um Stuttgart 21 erst verständlich wird.

Wolf Reiser, Die ganze Wahrheit über Stuttgart 21. .Taschenbuch, 120 Seiten. Scorpio Verlag 2011.