I werd narrisch, Schluchtenscheißer!

Anruf am Samstag. Herr Schophaus, komme gerade aus dem Flugzeug. Hab da Ihre wunderbare Geschichte gelesen, über Saint Tropez im Bordmagazin. Er säuselte ein wenig, sprach ziemlich undeutlich, ich glaube, er hatte noch den Schlagoberst seiner Melange am Mund.

Er war Österreicher, das hätte mich gleich stutzig machen sollen. Österreicher geht gar nicht. Mit Österreichern hab ich nur schlechte Erfahrungen gemacht. Nicht erst seit dem Tor vom Krankl. Drei zu zwei! Gegen uns. I werd narrisch, brüllten die Schluchtenscheißer. Als ein Flugzeug vom Lauda über Thailand abstürzte, titelte eine Wiener Zeitung: DREI ÖSTERREICHER TOT! Und klein darunter: auch 130 Deutsche unter den Opfern. So weit zu Österreich.

Er klang ganz nett, der Herr Chefredakteur. Wollte unbedingt, dass ich was mache für ihn, wenn ich schon mal da war, in Saint Tropez. So spart man ja auch Spesen. Über einen Strandklub, in den du nur kommst, wenn du mit dem Bentleyschlüssel wedelst. Oder die Yacht neben den reichen Russen in der Bucht parkst.

Ich schrieb und schickte es ihm. 7000 Zeichen für Travellers World, das neue Premium-Reisemagazin. Acht Euro am Kiosk. Er ward zufrieden und mailte: Es gefällt, erlauben Sie uns trotzdem ein paar Anpassungen? Ich erlaubte.

Letzte Woche hielt ich dann das Heft in der Hand. Der Süden Frankreichs von A bis Oh là là. Meine Geschichte war nicht mehr meine Geschichte. Sie wurde dermaßen angepasst, dass einfach nichts mehr passt.

Da hatte einer nicht mit dem Florett gekämpft, sondern mit dem Hackebeil gewütet. Nicht ein Satz wie er vorher war. Der Textchef, dieser Schlächter, hat schließlich einen Doktortitel. Muss man sich das gefallen lassen? Nach 25 Jahren? Muss man nicht. Mein Anwalt kümmmert sich. Aber vorher schlagen wir am Freitag Österreich.