Schmidt happens

Immer soll ich mir Schmidt zum Vorbild nehmen. Sagt auch der „Spiegel“.  Schmidt hier, Schmidt dort, Schmidt überall. Was für ein  Schmidteinander. Es steht mir bis Oberlippe Kleinhirnrinde. Drückt mir  auf den Magen. Schreibt ein Buch. Bestseller. Schreibt noch ein Buch.  Wieder Bestseller. Darf im Rauchverbot rauchen. Wenn kümmert es? Loki  und Schmoky. Ständig Leitartikel in der „Zeit“. Hosianna, Giovanni di Lorenzo. Wird die elder Edelfeder eigentlich redigiert?

Unser aller Helmut kurz vor der Heiligsprechung?  Sicher, ein großer Mann. Viel Mut. Viel Weisheit. Viel Schnauze. Gerade  jetzt, wo so viele das Orientierungslos ziehen. Aber muss ich deshalb  Sätze, die nie enden wollen, ertragen? Worte, die sich in  besserwisserische Schnodrigkeit verquasen? Man würde sie vermutlich  jedem Volontär um die Ohren hauen. Aber, pssst, es ist ja Schmidt.  Schmidt hat stets recht. Schon damals bei der Sturmflut von Hamburg. Nur  im Sturm des deutschen Herbstes hätte es ihn fast umgehauen. Sozusagen  dahingeRAFt. Manchmal vergleicht er auch Oskar Lafontaine mit Adolf  Hitler. Wir sind Schmidt.

Hier sitzt deutsche Geschichte, sagt Reinhold  Beckmann und schleimt bis zum Erbrechen. Die Karteikarten zittern in  seiner Hand. Wie oft schon war Schmidt in seiner Sendung? About Schmidt.  Die chronische Altersmilde erträgt plötzlich selbst seine Fragen. Und  jetzt das noch: Wenn Schmidt eines Tages qualmend in den Himmel fährt,  wollen die Deutschen Günther Jauch als Vorbild. Sagen die Deutschen. Und  der Spiegel. Ein Unterhaltungsfuzzi mit Schlaumeierbrille. Als  fifty-fifty-Joker. Hallo, Herr Lehrer, ich weiss was! Genau wie  Schmidt. Aber wann schreibt Jauch endlich Bücher?

P.S: Die Überschrift habe ich von meinem Freund Uwe geklaut. Der müsste mal zur „Zeit“.