„Bewegend, schön und unheimlich“

Die Autorin Carmen Stephan erhält für ihren Debütroman „Mal Aria“ (S. Fischer) den Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung. Ihre Geschichte aus der Perspektive eines Moskito sei „bewegend, schön und unheimlich“, so die Begründung der Jury. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird am 11. Dezember 2012 im Literaturhaus Frankfurt verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Martin Mosebach, Einar Schleef, Arnold Stadler und Zoë Jenny.

„Mal Aria“ ist gerade erst im S. Fischer Verlag erschienen. „Der Augenblick in dem sie krank wurde, gleicht einer Szene in einem alten Musicalfilm. Eine junge Frau läuft im Frühling durch eine Drehtür, sie kommt auf der anderen Seite wieder heraus, und es schneit.“ Wie der an Malaria erkrankten Carmen geht es dem Leser dieses Romans: Man geht durch die Drehtür dieses Textes und sieht die Wirklichkeit mit anderen Augen. Es beginnt im wuchernden, dunklen Wald des Amazonas. Eine letzte Reise. Ein Stich, unbemerkt, unsichtbar. Und alles ist anders. Die junge Carmen liegt in hohem Fieber – doch die Ärzte wissen ihr nicht zu helfen. Wie schon in der jahrhunderttausendalten Geschichte der Malaria reiht sich ein Missverständnis an das andere. Tag für Tag entgleitet Carmen das Leben. Nichts geschieht. In der erstarrten Gegenwart der Klinik entwickelt sich in fiebriger Intensität die Handlung. Die äußere, scheinbar geordnete Welt wird durch die innere überwuchert – und Carmen muss sich dem Unvorstellbaren stellen: dass sie ihren Freund nicht mehr sieht, nicht mehr nach Hause kommt, nicht überlebt. Wo steht der Mensch? Was sieht er? Wie geht er mit der Tatsache um, dass er stirbt? „Mal Aria“ ist ein fesselnder Dialog zwischen Natur und Mensch, eine Reise in das Herz einer Krankheit. Ein Roman über unsere Sterblichkeit und über unsere Illusion, wir hätten das Leben im Griff.