Alle Einträge

Warum ich Charlie bin…

Warum ich Charlie bin…

Vergangene Woche habe ich in einer recht spontanen Entscheidung – im Namen auch meiner Mit-Beschreiber – ein Bekenntnis abgelegt: Ich sei Charlie, habe ich behauptet, mich auf der Solidaritätsseite des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels eingetragen und auch das derzeit allgegenwärtige Je-suis-Charlie-Logo auf www.beschreiber.de eingebaut. Ich, der ich sonst immer großen Wert auf meinen Individualismus lege, dem Moden suspekt sind und der sich ungern irgendwelchen Massenbewegungen – egal welcher Art – anschließt, habe mich in Reihe gestellt mit einer Horde von Charlies, die ich fast alle nicht kenne, und die fast alle noch nicht einmal zu den Lesern von „Charlie Hebdo“ gehören – ebensowenig wie ich. Es ist schon eine fragwürdige Aktion, und ich selbst komme ins Grübeln. Bin ich wirklich Charlie?

Passend dazu erschien dann auch Anfang der Woche auf sueddeutsche.de ein Artikel: „Charlie sein oder nicht sein“. Er fasst sehr schön die Gegenreaktionen auf die „Je suis Charlie“-Bewegung zusammen. Menschen, die sich nicht einfach einreihen wollen in diese heterogene Solidaritätsmasse, die zwar größtenteils darauf Wert legen, auch gegen Gewalt und Terror zu sein, sich aber deshalb noch lange nicht mit irgendwelchen Charlies identifizieren wollen. Ihr Hashtag: #JeNeSuisPasCharlie.

Eine Studentin aus dem Libanon wird in dem Artikel zitiert: „Als Muslimin werde ich keine Zeitung verteidigen, die mich nicht respektiert und meinen Glauben und meine Kultur lächerlich macht.“ Und eine deutsche Bloggerin fügt hinzu: „Wir wissen wohl alle noch vom Schulhof, dass ein Witz nicht immer nur zum Lachen gedacht ist. Oft genug ist es das Ziel eines solchen Witzes, Menschen zu verletzen. Damit kann ich mich schlicht nicht identifizieren.“

Nun kann man es sich natürlich einfach machen und (vermutlich völlig zurecht) darauf hinweisen, dass diese beiden Nicht-Charlies das Wesen der Satire wohl nicht ganz begriffen haben und das der Pressefreiheit wohl auch nicht. Und man könnte überhaupt diese ganzen Neinsager als Wortklauber abtun: Es geht hier, und das muss wohl jedem klar sein, schließlich nicht um eine uneingeschränkte Identifikation mit den Redakteuren von „Charlie Hebdo“ oder ihren Zeichnungen und Texten. Nein, es geht um einen kollektiven Warnruf an die Adresse der Mörder, Ihrer Sympathisanten und Hintermänner: So nicht! Ihr greift uns alle an. Und jetzt bekommt Ihr es mit uns allen zu tun, und wir sind mehr. Viel mehr. Es geht um ein Eintreten für Pressefreiheit und gegen Gewalt. Es geht um Solidarität, nicht um Identifikation. Und überhaupt: Wo bleibt denn bitte die #JFKwarKeinBerliner-Bewegung? Ich bitte Euch, der Mann stammte aus Massachusetts!

Und trotzdem: Es bleibt ein Unbehagen. Wie würde ich – Allah, Gott oder wer immer behüte! – bei einem Anschlag auf die „Bild“-Zeitung reagieren? „Ich bin Bild“? Vielleicht nicht. War es gerade der Abstand – die im wörtlichen Sinne Ignoranz – die mir bei „Charlie Hebdo“ diese scheinbar bedingungslose Identifikation erst möglich machte? Es gibt dauernd Anschläge auf die Pressefreiheit, die Menschenwürde. Tagtäglich. Weltweit. Warum ist die Reaktion bei diesem Attentat so besonders stark? Unverhältnismäßig stark? Warum schreie ich sonst nicht auf?

Ich bin ratlos. Aber ich bin Charlie. Und mein Vorsatz fürs neue Jahr: Öfter mal Charlie sein.


Fliegende LKWs

Fliegende LKWs

So gehört es sich: Anzeigen und Redaktion sind strikt voneinander getrennt. Als gutes Vorbild geht hier der „journalist“ voran. Hier erfahren die Redakteure offenbar erst nach Erscheinen des Heftes, welche Anzeigen sich darin finden:

journalist


Aletsch ­– At Glaciers‘ End

Aletsch ­– At Glaciers‘ End

aletsch

Derzeit läuft eine Crowdfunding-Kampagne für meinen ersten grösseren Film über den Aletschgletscher. Ein Film über grosse Natur, kleine Menschen und eine Frage der Zeit:

https://wemakeit.com/projects/aletsch-at-glaciers-end

Ein GRAND MERCI aus der Schweiz fürs Weiterteilen und Unterstützen!


Apropos…

Apropos…

Apropos Kosovo

Und schon wieder ein neues Onlinemagazin. Diesmal reisten die Schüler der Reutlinger Reportageschule ins jüngste Land Europas. Nach „15 Grad Ost“, „Zehn Tage Siebenbürgen“ und „Servus, Bosporus!“ ist nun das jüngste Magazin „Apropos Kosovo“ online gegangen. Ich habe das die Schüler des neunten Jahrgangs der Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl bei der Umsetzung des Magazins betreut – unterstützt von den Beschreibern Philipp Maußhardt und Erdmann Wingert.


Jäger des Lichts

Jäger des Lichts

Fünf renommierte, miteinander befreundete Naturfotografen beschließen gemeinsam ein Buch zu machen, um mal so richtig zu zeigen, was sie können – und als Texter nehmen sie den besten Autor, den sie kennen, nämlich Beschreiber Martin Rasper. Der schreibt prompt nicht nur ein luzides Vorwort, sondern zu jedem der Fünf auch ein funklendes kleines Porträt, und führt außerdem mit jedem ein längeres Interview, in dem sie Auskunft geben über ihre Motivation, ihre Arbeitsweise und ihre schönsten Bilder, aber auch ihre Sorge ausdrücken über die radikalen Veränderungen der Umwelt, die sie besonders in der Arktis beobachten.

Die Jäger halten einen gemeinsamen Vortrag mit ihren Bildern übrigens am 1.11 auf dem Wunderwelten-Festival in Friedrichshafen sowie Anfang Dezember auf dem Winter-Tollwood in München.

Ein paar der Bilder gibt es auf GEO oder Stern.de zu sehen.

Und das Buch gibt es in jeder Buchhandlung.


Gschichten, die zweite

Gschichten, die zweite

Noch neuer, noch schöner, noch informativer, noch sexier und mit noch größeren Bildern… Schmarrn! Wie macht man eigentlich Werbung für seine eigene Homepage, die ja wiederum auch nur Werbung für die eigene Arbeit ist? Ich habe keine Ahnung – und dennoch verkünde ich stolz, dass www.gschichten.de nun einen Relaunch erfahren hat. Seitdem ist die Site noch… na, Sie wissen schon.


Henry-Nonsens-Preis für Philipp Maußhardt

Henry-Nonsens-Preis für Philipp Maußhardt

Weil er 16 km/h zu schnell gefahren war, saß Zeitenspiegel-Autor Philipp Maußhardt zwei Tage in einem Schweizer Gefängnis ein. Seine Knastgeschichte war im „Stern“ zu lesen. Nun wurde sie mit dem Henry-Nonsens-Preis 2014, dem Preis für die beste absurde Reportage des Jahres, ausgezeichnet. Ausrichter des Preises ist das Internetportal “reportagen.fm”.

Übrigens: In der Jury des Preises sitzen keine Geringeren als Kai Diekmann, Giovanni di Lorenzo, Ines Pohl, Stefan Aust und Frank Schirrmacher. Doch, wirklich!


Eine der großen Fragen im Leben: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind?

Eine der großen Fragen im Leben: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind?

Frauen, die mit über 40 ihr erstes Kind bekommen, sind in der Regel hochqualifiziert, beruflich erfolgreich und leben in stabilen Partnerschaften. Dennoch gelten sie hierzulande wahlweise als Egoistinnen, Glucken oder Karrierezicken. Die Journalistin Susanne Fischer ist eine von ihnen – und wehrt sich. Bereits jede vierte Frau in Deutschland bringt mit über 35 Jahren ihr erstes Kind zur Welt, und auch die Zahl der Mütter über 40 wächst. Für die meisten von ihnen lautete die Alternative nicht »Kind mit 25 oder 40«, sondern »Kind mit 40 oder gar kein Kind«. Ein Trend, hinter dem mehr als der angebliche Egoismus moderner Frauen steckt. Späte Mütter, beweist Susanne Fischer uns mit Humor, sind gute Mütter. Das bestätigt inzwischen sogar die Forschung. Viele sind glücklicher als Frauen, die schon in ihren Zwanzigern Kinder bekamen. Sie verdienen mehr, sie leben in stabileren Partnerschaften und sind seltener alleinerziehend. Vor allem aber werden sie immer mehr.

Das neue Buch von Susanne Fischer „Ansichten einer späten Mutter“ ist bei Hoffmann und Campe erschienen und kostet 14,99 Euro.


Debütpreis des Buddenbrookhauses

Debütpreis des Buddenbrookhauses

In der Begründung der Jury heißt es: „Der Preisträgerin ist mit Ihrem Romandebüt Mal Aria ein großer Wurf gelungen. Die Beschreibung der Malariainfektion aus Sicht der den Erreger übertragenen Mücke besticht durch ihre Originalität und sprachliche Präzision. Das Infragestellen des anthropozentrischen Weltbildes ist überzeugend gelungen. Der Roman besitzt außerdem in Zeiten, in denen sich ehemalige Tropenkrankheiten immer weiter in den Norden ausbreiten, eine geradezu erschreckende Aktualität.“

Der Debütpreis des Buddenbrookhauses wird im Abstand von zwei Jahren in Erinnerung an eines der erfolgreichsten Debüts der Weltliteratur, Thomas Manns Roman Buddenbrooks, verliehen. Der Preis wird Carmen Stephan am Freitag, 22. November, um 19 Uhr im Rathaus zu Lübeck übergeben.


„STENZ. Die Lust des Südens“

„STENZ. Die Lust des Südens“

Buchpremiere: Donnerstag, den 26.9.2013, 19.30 Uhr,  im „Vereinsheim“, Occamstrasse 8, München (Schwabing), Musik Zwirbeldirn, Eintritt 8 Euro

Mehr auf www.thomasgrasberger.de.